Unser Golzow

Informationsseite der Bürgerinitiative Golzow gegen Massentieranlagen



Sind Umweltinformationen Geheimsache??

In Deutschland gibt es gute Gesetze! Zum Beispiel das so genannte UIG = Umweltinformationsgesetz. (Dass auch hier die EU die deutsche Regierung erst nachdrücklich zwingen musste, dieses Recht umzusetzen, sei nur am Rande erwähnt.) Es soll uns, die Öffentlichkeit, in die Lage versetzen, sich über alle Daten und andere Erkenntnisse, die von Behörden zu Umweltfragen erhoben werden zu informieren. Es ist kein Gnadenerweis der Behörden, sondern ihre Pflicht.

So haben wir im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Hähnchenmastanlage in Golzow einen Antrag auf Information zum Betrieb der Anlage in Sachsendorf gestellt, da Golzow nach den Plänen der ODEGA eine 1:1-Kopie dieser Anlage bekommen soll. Nun haben wir die ablehnende Antwort aus dem Landratsamt (Dr. Bötticher vom Veterinäramt). Darin heißt es: „Ich lehne Ihren Antrag … ab.“ Zur Begründung auf 3 ½ Seiten wird im Wesentlichen ausgeführt, dass der Betreiber ein „Veto-Recht“ habe und er hätte entschieden widersprochen, da „Geschäftsgeheimnisse“ betroffen seien. Und damit wir es auch nicht missverstehen können, heißt es weiter: „Der Tierhalter hat hier ein berechtigtes Interesse an der Nichtverbreitung der Daten. Insbesondere bei Betrieben, deren halbjährliche Therapiehäufigkeit sehr hoch ist, könnte sich durch die Offenlegung dieser Daten, in der  Öffentlichkeit eine falsche (!!-P.T.) Meinung gebildet werden und eben ein Wettbewerbsnachteil entstehen. … Das macht der Tierhalter in seiner Stellungnahme vom 26.7.2019 deutlich.  … Dies kann ich nicht zulassen.“  Da die Informationsersuchen vor allem die Haltungskriterien der „Fairmast“ und Daten zu den Bereichen Ein/Ausstallungen und Antibiotika-Gaben betrafen, werden wir offensichtlich durch die Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns belogen. Denn zwischen den propagandistischen Erklärungen in MOZ & Co. wie „fast oder gar keine Antibiotika“ und „Haltungskriterien der Label des Tierschutzbundes weit übertroffen“ und den harten Fakten gibt es offensichtlich so gravierende Widersprüche, dass  die Wahrheit schwere Geschäftsschädigung nach sich ziehen würde. Dass die ODEGA ein „Interesse“ an der Datensperre hat, versteht sich – berechtigt ist es aus der Sicht der Öffentlichkeit keineswegs. Deshalb haben wir folgenden Widerspruch beim Landrat eingereicht:                                 

Sehr geehrter Herr Dr. Bötticher,

gegen Ihren Bescheid, datiert vom 06.08.19  (eingegangen am 10.8.), zu meinem Antrag nach UIG vom 4. Februar, dem erweiterten Auskunftsersuchen und meinem begründeten Widerspruch vom 15.4. lege ich wiederum  Widerspruch ein. (Die erheblichen Verzögerungen Ihrer Antworten – jenseits aller gesetzlich festgelegten Fristen -  rüge ich als parteiische Verschleppungstaktik.)Begründung:  


Sachliche Gründe

Ihre Gründe der Ablehnung sind wie bereits im April festgestellt keinesfalls stichhaltig. Sie machen sich die Darlegungen des Betreibers der Anlage ohne weitere Prüfung zu eigen. Natürlich geht es hier nicht um die Altanlagenanzeige, diese Daten haben Sie nicht und können Sie auch nicht bereit stellen. Es geht um die „Geheimnisse“ des Anlagenbetreibers, die Sie so bildhaft umschreiben: „Insbesondere bei Betrieben, deren halbjährliche Therapiehäufigkeit sehr hoch ist, könnte sich durch die Offenlegung dieser Daten, in der Öffentlichkeit eine falsche Meinung gebildet werden und eben ein Wettbewerbsnachteil entstehen.“ (Schreibweise im Original) Wenn der Betreiber genau so vehement die Öffentlichkeit scheut, wenn es um die Fakten geht, wie er die Öffentlichkeit sucht, um die „völlig neue“ Mast „ohne Antibiotika“ zu bewerben, dann hat die Öffentlichkeit ( wie m. E. auch seine Wettbewerber) ein begründetes Recht zu erfahren, ob hier nicht mit „gezinkten Karten“ gespielt wird.  

Die Geflügelmast in diesen Mega-Anlagen mit 20 000 Tieren in einem Stall ist einer der großen Verursacher der Probleme mit resistenten Keimen. (Über die diesbezüglichen Gefahren  sollten Sie eigentlich informiert sein, mittlerweile pfeifen es die Spatzen vom Dach.) Ostbrandenburg entwickelt sich zum Mekka aller Großinvestoren, die (z. T. aus anderen Bundesländern „vergrämt“) durch die so genannte „Umnutzung“ Arbeitskräfte in Größenordnungen entlassen und nun mit stark steigender Tendenz Tierfabriken beantragen und nach gängiger Praxis in Brandenburg den roten Teppich ausgerollt bekommen. Zu Lasten der Natur, der Umwelt und der Gesundheit der Einwohner. Die Anlage in Sachsendorf spielt eine gewisse Pionierrolle dabei – hoch subventioniert mit dem ansonsten so knappen Steuergeld, mit Arbeitsplatzverlust in Größenordnungen, gegen den Widerstand der Einwohner von einer willigen (feigen?) Verwaltung durchgedrückt (mit der bekannten Auswirkung auf das Ansehen der realen Demokratie in diesem Lande).

Rechtliche Gründe:

Gestützt auf §9 Abs. 1 UIG  argumentieren Sie: „Dem Betroffenen kommt insoweit (Geschäfts- und Betreibsgeheimnisse etc. – P.T.) ein Vetorecht zu.“  Gewiß kennen Sie das UIG. Deshalb verwundert es schon, dass Sie nicht weiter unten im selben § 9 lesen: „ … oder das öffentliche Interesse an der Bekanntgabe überwiegt. Der Zugang zu Umweltinformationen über Emissionen kann nicht unter Berufung auf die in den Nummern 1 und 3 genannten Gründe abgelehnt werden.“

Das öffentliche Interesse an der Erhaltung und Sanierung unserer Umwelt, der Eindämmung der Gefahren durch multiresistente Keime, Feinstaub und so weiter ist riesig. Das dürfte auch Ihnen nicht entgangen sein. Da der Betreiber zugleich Antragsteller für weitere Massentier-Mastanlagen ist und die nachgefragten Informationen in direktem Zusammenhang stehen mit der Art und Menge von Emissionen, hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren, ob sie in großem Stil irregeführt wird.

So bitte ich Sie um  umgehende  Zustellung der angefragten Informationen! Da Sie die Antworten immer mehrere Monate verzögert haben, so dass bereits ein halbes Jahr seit meinem Informationsersuchen nach UIG verstrichen ist, ist die Geduld überstrapaziert.

Mit freundlichen Grüßen



Aus einer Studie des UBA:

Hintergrundstudien vom UBA:

Wir wehren uns weiter gegen die Tierfabriken unmittelbar vor unseren Gärten und im Natur- und Tierschutzgebiet! Das haben wir während der Sendung von Antenne Brandenburg wiederum deutlich gemacht! Und dazu gehört auch, dass wir uns offensiv mit angeblichen Argumenten der Befürworter solcher Anlagen auseinandersetzen. („Landwirtschaft gehört für mich ins Dorf“, sagte einer aus der Interessengemeinschaft „Golzower für Massentieranlagen“, der 2 km weg wohnt.)

Wir wissen, warum unser Widerstand notwendig ist. Im Genehmigungsbescheid des LfU für die Anlage in Sachsendorf findet sich bei der Ablehnung der Bürger-Einwendung an zentraler Stelle der Satz: „Gefahren für die menschliche Gesundheit gehen jedoch von Ammoniakemissionen aus Tierhaltungsanlagen regelmäßig nicht aus.“  (Ähnliches findet sich bei der Negierung der Gefahren durch resistente Keime u.s.w., auf die wir auch noch eingehen werden.) Das ist grundlegend falsch!

Wir befragten das UBA (Umweltbundesamt) zu diesem Thema und bekamen eine umfangreiche Expertise, aus der wir im Folgenden zitieren:

  1. Die Tierhaltung trägt zu etwa 60% zu den Gesamtammoniakemissionen in Deutschland bei.

  2. Ammoniak gehört zu den reaktiven Stickstoffverbindungen. Sobald es freigesetzt wird, reagiert es rasch mit anderen Luftschadstoffen und bildet Aerosole, wie Ammoniumsulfat sowie Ammoniumnitrat – Ammoniumsalze, die zur Gesamtfeinstaubbelastung beitragen. Ammoniak ist somit ein wichtiges  Vorläufergas für die Bildung von sekundärem Feinstaub. Etwa zwei Drittel des Feinstaubs sind sekundärer Natur. Als Feinstaub (PM) bezeichnet man Stäube in der Luft, die aus mehreren Partikeln unterschiedlicher Durchmesser bestehen und die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine    gewisse Zeit in der Atmosphäre verbleiben können.
  3. Die Belastung mit reaktiven Stickstoffverbindungen kann zu gesundheitlich relevanten Folgen beim Menschen führen. Über die Luft ist der Mensch direkt den Schadstoffen Stickstoffoxid und Ammoniak ausgesetzt. Einer Studie zur Sterblichkeitsrate zur Folge machen Emissionen aus der Landwirtschaft, gemeint ist hier vor allem Ammoniak, den höchsten relativen Anteil an der Feinstaubbelastung in Europa aus und haben damit den größten Einfluss auf vorzeitige Todesfälle auf unserem Kontinent. In europäischen Ländern wie Deutschland, Russland und der Ukraine tragen landwirtschaftliche Emissionen zu über 40 Prozent zu den durch Luftverschmutzung verursachten vorzeitigen Todesfällen bei.
  4. Aufgrund ihrer geringen Größe gelangen Feinstaubpartikel nach dem Einatmen weit in den Körper und können dort zu Entzündungen im Atemtrakt führen und verstärkend auf allergische Atemwegserkrankungen wirken. Des Weiteren werden sie in einen engen Zusammenhang mit der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gebracht. Das Mortalitätsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Atemwegserkrankungen steigt bei  kurzfristig sowie langfristig erhöhten Feinstaubkonzentrationen.
  5. Für Feinstaub kann kein Konzentrationsschwellenwert angegeben werden, unterhalb dessen eine Exposition wahrscheinlich keine gesundheitsschädliche Wirkung hat (WHO). Aus diesem Grund sollte die Feinstaubbelastung so niedrig wie möglich gehalten werden. Die aktuelle Feinstaubbelastung in Deutschland verkürzt die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa 7,5 Monate  bzw. führt laut Berechnungen des UBA  zu etwa 47.000 vorzeitigen Todesfällen.   Die Europäische Umweltagentur (EEA) führte bereits 2009 für die 27    EU-Staaten insgesamt 455.000 frühzeitige Todesfälle pro Jahr auf die  Umweltverschmutzung mit Feinstaub zurück (EEA 2009). Neuere Untersuchungen bestätigen diesen Bericht.
  6. Eine  Hähnchenmastanlage mit 73.000 Tierplätzen emittiert je nach    Haltungsverfahren und eingesetzter Minderungstechnik ohne Abluftreinigung etwa 2,5 – 3,5 Tonnen Ammoniak pro Jahr.  

Soweit das UBA!

 Wie steht es um Filteranlagen für die Geflügelmast als beste verfügbare Technik (BVT)?

In der Diskussion beim Erörterungstermin und auch in den „Argumenten“ gegen unsere Forderungen wurden Filteranlagen als nicht möglich oder gar gegen das Tierwohl gerichtet, abgelehnt. Auch dazu hat uns das UBA informiert:

In den 2017 veröffentlichten BVT-Schlussfolgerungen (siehe Anlage) ist die Abluftreinigung in der Geflügelhaltung als BVT, also als beste verfügbare Technik gelistet, siehe BVT 31 c (Legehennen), BVT 32f (Hähnchenmast) , BVT33b und BVT 34b. 

Die Umsetzung der BVT-Schlussfolgerungen erfolgt in Deutschland in untergesetzlichen Regelwerken. Die BVT 30 bis 34 werden in der Technischen Anleitung Luft (TA-Luft) umgesetzt. Ein Entwurf hat das BMU 2016 vorgelegt, wonach Abluftreinigung in der Geflügelhaltung Stand der Technik ist (Nr. 5.4.7.1 Buchstabe h). Dieser Entwurf wird gegenwärtig noch in der Bundesregierung final abgestimmt. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. 

Die erste DLG-Zertifizierung einer Abluftreinigungsanlage für die Geflügelhaltung (Masthähnchen) in Deutschland erfolgte im Jahr 2010. Bisher … sind insgesamt sieben Abluftreinigungsanlagen für Geflügel von der DLG zertifiziert worden. Zum Beispiel der 1-stufige Chemowäscher mit Tropfenabscheider ASA-S1 (DLG-anerkannt, aus dem Prüfbericht):

„Die Abluftreinigungsanlage ASA-S1 … eignet sich zur Emissionsminderung von Staub und Ammoniak aus dem Abluftstrom eingestreuter Hähnchenschwermastanlagen bei Auslegung der Lüftung nach TierSchNutztV und bei Einhaltung der beschriebenen verfahrenstechnischen Parametern zur Abscheidung von Ammoniak (Abscheidegrad ≥ 70 %) und zur Abscheidung von Staub (Abscheidegrad ≥ 70 %). Die gemittelten Ergebnisse aller Messungen liegen bei der Ammoniakabscheidung bei 78,3 %, bei der Staubabscheidung 80,9 % (Gesamtstaub), 75,4 (PM10) und 91,7 % (PM2,5).“

Also: Natürlich ist effektive  Abluftreinigung in der Geflügelhaltung längst möglich und sollte verpflichtend in allen bestehenden – zunächst zügig in den ortsnahen – Geflügelmastanlagen nachgerüstet werden!

Das trifft genauso „natürlich“ auf den erbitterten Widerstand der Profiteure einer weiteren Verseuchung unserer Umwelt. Deshalb ist Widerstand zwingend notwendig!


Aus einem Gegen-Gutachten


Wir haben Geld "in die Hand" genommen und uns an einen "Gutachter für Immissionsschutz"  gewandt. Eine seiner gravierenden Kritiken an dem geplanten - und für manchen schon genehmigten - Megastall am Ortsrand von Golzow ("Ställe gab es hier schon immer", oder "Das gehört zum Dorf") veröffentlichen wir hier im Wortlaut; den Abschnitt zu den Bioaerosolen (oder auch landläufig Keime genannt):  

Die Bioaerosolemissionen eines Rinderstalles sind vergleichsweise niedrig. Nach VDI-Richtlinie 4255/2, Tabelle 3 ist das Verhältnis wie folgt:         

  

 

  

  

Hähnchenmast

  

  

Milchviehhhaltung

  

  

Verhältnis

  

  

Gesamtbakterien

  

  

3,2x1000000000KBE/m³

  

  

5x1000000KBE/m³

  

  

640 zu 1

  

Durch diese Zahlen wird unschwer erkennbar, dass die von Rinderställen ausgehende Belastung ungleich niedriger ist als die von Masthähnchen. Die Tatsache, dass die besonders gefährlichen MRSA-Bakterien (Methiliccin-resistenterStaphylococcus aureus) primär in Hähnchenmastställen produziert werden, während solche in Rinderställen regelmäßig gar nicht vorkommen, lässt darüber hinaus erkennen, dass mit dem Vorhaben eine Belastung erzeugt wird, die bisher nicht vorhanden ist. Es würde also mit Umsetzung des geplanten Vorhabens eine Gefahr überhaupt erst generiert, die derzeit nicht existent ist. Vor einer solchen Gefahr hat Sie die Genehmigungsbehörde im Rahmen ihrer Vorsorgepflicht zu schützen - siehe TA Luft, Kapitel 5.4.7.1, letzter Abs.: "Die Möglichkeiten, die Emissionen an Keimen und Endotoxinen durch dem Stand der Technik entsprechende Maßnahmen zu vermindern, sind zu prüfen." Diese Prüfung soll im Rahmen des Kapitels 10 des sfi-Berichts SFI-151-01-2017-3- vom12.06.2017 erfolgt sein, in dem zusammenfassend dargestellt wird, dass aufgrund der Einhaltung des Irrelevanzwertes von 1,2 μg/m³ Staubkonzentration gem. TA Luft an den nächstgelegenen Immissionsorten (IO) keine unzumutbare Belastung zu befürchten sei. Zudem seien keine dem Stand der Technik entsprechende Emissionsminderungsmaßnahmen verfügbar, die über den Planungsbestand hinaus gingen. Auch diesen Darstellungen ist zu widersprechen. Zunächst ist festzustellen, dass der LAI-Leitfaden zur Ermittlung und Bewertung von Bioaerosol-Immissionen vom 31.01.2014 nicht konsequent abgearbeitet worden ist. Denn der Gutachter der Antragstellerin beginnt wohl den Prüfschritt zwei (Irrelevanz nach TA Luft von 1,2 μg/m³), führt ihn aber nicht zu Ende. Denn im Abs. 2 des Prüfschrittes 1 der Stufe 2 (Seite 5, zweiter Abs. der Stufe 2) steht ausdrücklich: "Ergänzend ist eine Gesamtwürdigung der Situation vorzunehmen. Dies gilt insbesondere für Geflügelanlagen, da hier nach derzeitigem Kenntnisstand selbst bei Einhaltung des Irrelevanzkriteriums für Feinstaub i.d.R. noch relevante Belastungen an Bioaerosolen prognostiziert werden. "Diese Vorgabe steht im Einklang mit eigenen Erfahrungen. In diversen Verfahren, in denen ich selbst Bioaerosolausbreitungsberechnungen für Geflügelställe durchgeführt habe, wurden an IOs, an denen das Irrelevanzkriterium für Feinstaub eingehalten wurde, noch Belastungen (durch Bioaerosole – P.T.) jenseits des Orientierungswertes von 720 KBE/m³ (3 x 240 KBE/m³ gemäß Tab. 1, LAI-Leitfaden) prognostiziert. Zusammengefasst ist festzustellen, dass die notwendigen Untersuchungen zur belastbaren Beurteilung des erst mit der Umsetzung der Planung entstehenden Gesundheitsgefährdungspotentials nicht nach dem einschlägigen Regelwerk durchgeführt worden sind. Eine abschließende Beurteilung diese Themenbereichs verbietet sich daher, solange die Antragstellerin nicht eine entsprechende Immissionsprognose nacheinschlägigem Regelwerk (VDI-Richtlinie 4255/3, LANUV-Fachbericht 80) und unter Verwendung eines dem Stand der Technik entsprechenden Simulationsprogrammes (z.B.AUSTAL2000 N) vorgelegt hat. Diese Beurteilung wird auch und im Besonderen auf den IO 14 (Kleingartensiedlung) abstellen müssen, da die Antragstellerin wie die Behördenvertreter mit ihren Einordnungen des Schutzanspruches der Kleingartensiedlungsnutzer weit an der Realität vorbei zu urteilen scheinen. Darüber hinaus wird in Kapitel 10, Abs. 3 in apodiktischer Art die Behauptung aufgestellt, dass es keine dem Stand der Technik entsprechenden Maßnahmen zur Minderung der Keimemissionen gäbe; und das, obwohl der Verfasser selbst im letzten Abs. auf Seite 34/46 zu Recht darauf hinweist, dass sich Keime bzw. Bioaerosole wie Staub ausbreiten. In der Tat breiten sie sich nicht nur wie Staub aus, sondern sind nach neuesten Erkenntnissen (z.B. LANUV-Fachbericht 80) zum größten Teil an Staub gebunden und können daher über Staubemissionsminderungsmaßnahmen effektiv aus der Abluft entfernt werden. Z.B. mit dem DLG-zertifizierten Filtersystem ASA1 (DLG-Prüfbericht 6254) steht eine technische Maßnahme auch für die Hähnchenschwermast zur Verfügung, die nachweislich grundsätzlich geeignet ist, das mit der Planung überhaupt erst entstehende Gesundheitsgefährdungspotential signifikant zu reduzieren.


Übrigens: So was kostet -  wie gesagt - Geld. Wer uns unterstützen möchte, melde sich bitte über die mail-Adresse bi-15328@t-online.de


Aus dem Verfahren:Die Schwerpunkte unserer Kritik:

  • Wie kommt man bloß auf so einen super Standort?
  • Lachende Hühner gegen pupsende Kühe getauscht?
  • Entwarnung für  Golzow und seine Schutzgebiete?
  • Vogelgrippe-Epidemie - alles Panikmache?
  • Sauberes Wasser, saubere Luft?
  • Keime und Viren - was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?
  • 80% Westwind, alles geht nach Polen?
  • Wertverlust - habt Euch nicht so?
  • FairMast - eine tolle Sache wird schlecht geredet?

Die Fakten zum Golzower Verfahren:

Unser zentraler Kritikpunkt  war und ist die Wahl des Standortes für eine solche Tierfabrik

  

Der Standort ist für den Investor profitabel, weil er mit seiner Argumentation der „Umnutzung einer bestandsgeschützten Anlage“ mit „Vorbelastung“ ein Gebiet für die Errichtung der Tierfabrik nutzen will, den ansonsten selbst eine sehr willige Behörde nicht genehmigen könnte. Was andere als die Profiteure zu einer Zustimmung bringen könnte, erschließt sich auch nach Monaten der Diskussion nicht.  Zu Passivität schon eher - die Erfahrungen mit der „gelebten Demokratie“ in Sachsendorf  zum Beispiel.

   

Die „Umnutzung“ ist keine! Wiederholt wird im Antrag zwar geschrieben:  „Es ist geplant, die Rinderhaltung aufzugeben….“. oder „Die Errichtung und der Betrieb der Hähnchenmastanlage erfolgt auf einem momentan für die Rinderhaltung genutzten Anlagengelände.“ Diese Unwahrheiten finden sich zudem auch in der „Unterlage zur allgemeinen Vorprüfung des Einzelfalls zur Feststellung der UVP-Pflicht gemäß § 7 UVPG“ vom Januar 2018, mit dem bekannten Ergebnis, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattgefunden hat. Sie hätte sehr wahrscheinlich das Aus bedeutet, weil unabhängige Fachleute zu beteiligen gewesen wären. Da die Rinderhaltung schon vor Jahren aufgegeben wurde, ist diese Formulierung bewusst irreführend. Der Standort der Milchviehanlage wurde im Jahr 2016 still gelegt, die Leute entlassen, das Vieh verscherbelt. Seitdem gibt es hier eine 0-Emission!

        

Der in dem Antrag ständig unternommene Vergleich zwischen Rinder- und Hähnchenhaltung  in der Risikoabschätzung mit dem offensichtlichen Ziel, die Emissionen  bei der Massentierhaltung von Masthähnchen klein zu reden, da sie weniger GVE darstellten, ist völlig unseriös. Ungleich gefährlicher für Mensch und Natur ist die 72tausender Hähnchenmastanlage!

 

Gefahr für Golzow: Westlich steht das Ortsschild am Anlagengelände, grenzt die ehemalige Milchviehanlage direkt an die ersten Wohngrundstücke! Selbst durch Trickserei durch Flächenteilung und Umbau bleibt der Abstand vom ersten Emissionspunkt (der erste Lüfter auf dem ersten Stall) zum ersten Wohngebäude deutlich unter 300 Meter!

 

Gewässerverschmutzung: Im Antrag heißt es, dass keine Bestandsunterlagen des ehemaligen Entwässerungssystems existieren. Dennoch soll, so der Antrag, die vorhandenen Entwässerungssysteme „ohne Umbaumaßnahmen weiter betrieben“ werden. Also auf dem Stand der Technik der 1960er Jahre! Auch die Regenabwässer sind durch die filterlose Abluftführung mit Sicherheit mit Keimen und Erregern kontaminiert. Dennoch heißt es in dem Antrag: „Der Niederschlag auf der gesamten Anlage wird in Zukunft ortsnah versickert und teilweise in den schmalen Strom eingeleitet.“ In ein FFH-Gebiet! Von dort fließt das kontaminierte Wasser in das sensible Ent- und Bewässerungssystem des Oderbruch. Zuerst über den Richtgraben und den Hauptgraben nach Zechin zum Freibad des Camp Zechin.

Luftverschmutzung: Von den Anlagen werden Keime, Viren, Pilze, Bioaerosole über die filterlosen Entlüftungsventilatoren großflächig in der gesamten Region verteilt. Der immer wieder insbesondere in der Massentierhaltung von Hühnern notwendige und auch tatsächlich statt findende Antibiotika-Einsatz führt zwangsläufig und nachgewiesenermaßen zu Resistenzen, die am Ende alle Bewohner und Gäste und ganz besonders Kinder, Heranwachsende und Kranke bedrohen. Dazu musste entgegen der allgemeinen Propaganda der Massentieranlagenbetreiber die brandenburgische Landesregierung jüngst feststellen, dass der „ Antibiotikaeinsatz bei Masthühnern in Brandenburg weiter steigend“ ist. (Nach:  Information in der Sitzung des Verbraucherausschusses des brandenburgischen Landtages am 7.11.2018)

Keime und Viren: Aktuelle Studien belegen, dass „Keime und Viren aus einer Massentierhaltungsanlage noch über weite Entfernungen (mehrere Kilometer) ansteckend sein können“. (RESET II, Studie des Forschungsverbundes  zur Verbreitung von multiresistenten Keimen entlang der gesamten Masthähnchen-Produktionskette. An diesem Forschungsverbund, ein wahres „Who is who“ der deutschen staatlichen Forschungseinrichtungen zu dem Problem, ist auch das Friedrich-Löffler-Institut beteilig.  (2016ff publiziert, im Folgenden zitiert):

  • In einem sehr hohen Anteil der untersuchten Betriebe mit Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren (100% bei Broilerhaltung; 85% bei Schweinehaltung; 85% bei Milchvieh- und 70% bei Rindermasthaltung) wurden Proben mit ESBL- bzw. AmpC produzierenden E. coli (das sind die untersuchten resistenten Keime-P.T.) gefunden.
  • Erstmalig wurde der Nachweis dafür erbracht, dass ein wechselseitiger Austausch von ESBL-Klonen zwischen Tier, Mensch und Umwelt stattfindet und ein gemeinsames Reservoir vorliegt.
  • Unter der Behandlung von Tiergruppen mit Antibiotika kann unabhängig von der Applikationsmethode eine Verschleppung in die direkte Umgebung der Tiere stattfinden.
  • Gemüsepflanzen (Weißkohl, Porree) nehmen aus Böden, die mit Antibiotika belasteter Gülle gedüngt sind, wirksame Stoffe auf und lagern sie in verzehrbare Pflanzenteile ein.
  • Solche Keime, die zur Gülle dotiert worden sind, lassen sich noch nach fünfmonatiger Anbauperiode in Boden und Gemüse nachweisen.
  • Solche Keime können auch in gänzlich unbehandelten Tiergruppen (insbesondere Mastgeflügel) mit hohen Einzeltier-Prävalenzen gefunden werden.
  • Solche Keime können entlang der gesamten Masthähnchen-Produktionskette beginnend von den Elterntieren bis hin in Schlachtung und Verarbeitung weitergegeben werden.

AUS für Bio-Produkte: Das Obst und Gemüse aus der Region wird belastet durch Keime, Pilze und Antibiotika, die aus der Anlage herausgetragen werden. Damit wird eine ökologische Landwirtschaft für zumindest lange Zeit in unserer Heimat (das Oderbruch war einmal der Gemüsegarten Berlins!) praktisch unmöglich. Die Belastungen für Kleintierhalter wie Imker (und ihre Bienen) sind enorm, die Bienenwirtschaft, für die Obst- und Gemüseproduktion und eine intakte Umwelt und die Artenvielfalt so wichtig, wird langfristig schwer beeinträchtigt.

 Ausbreitungsprognose Wind: Um die Prognosen möglichst schön zu rechnen (und die Golzower ruhig zu stellen) behauptete der Antragsteller eine absolut vorherrschende Westwindrichtung. In den „Informationsveranstaltungen“ wurde sogar eine mehr als 80%ige Westwindrichtung behauptet. Die Wetterstation Manschnow – deren Messwerte man im Internet kostenfrei nutzen kann – liefert ein völlig anderes Bild: In den letzten 20 Jahren ist eine Veränderung der vorherrschenden Windrichtungen festzustellen. Im Zeitraum 2007-2017 war die Windrichtung Ost mit 19 % fast in der gleichen Häufigkeit vertreten wie die Windrichtung West (20%). Die östlichen Winde  haben zu-, die westlichen abgenommen. Die zunehmenden „Heißzeit“-Wetterlagen bewirken eine Verstärkung dieses Effektes: So wehte der Wind 2018 im Gebiet Golzow nur zu 16% aus Richtung West, aber zu 26% aus Richtung Ost! Mit diesen extrem trockenen und heißen, lang andauernden Perioden werden die Umweltbelastungen durch derartige Anlagen für die benachbarten Gebiete noch enorm verstärkt.  Die Prognosen des Landesamt für Umwelt (auch LfU, aber eine andere Abteilung!) bis 2050 besagen für die Oderregion eine Zunahme dieser Hitzezeiten um 400%(!), einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen um 2,1°C, eine Abnahme von Niederschlag um 19,3% un eine massive Zunahme von Extremereignissen.(Bericht zum Hochwasserrisikomanagement 2015)

Immobilienwert: Ein häufiges „Gegenargument“: Den Protestierern gehe es nur um den Wert ihre Häuser! Ja und? Erstens wird damit indirekt eingestanden, dass der Wertverlust real sein wird. Und Zweitens: Wieso ist soll es ehrenrührig sein, sein Hab und Gut vor Verlust zu schützen? Vor Dieben schützt man sich ja auch! Offensichtlich gehen Großinvestoren (und ihre Verteidiger) davon aus, dass nur ihre Millionen schützenswert sind, auch wenn sie auf Kosten der Umwelt zustande kommen. Für die Schäden dort müssen ja dann wieder der Steuerzahler, die Kommune, jedenfalls immer die anderen blechen.

Gefahr für Schutzgebiete: Direkt an die Anlage grenzt auf nördlicher Seite der Letschiner Hauptgraben (Schmaler Strom), der Teil des FFH-Gebiets „Oder-Neiße Ergänzung“ ist. Weiter beginnt auf nördlicher Seite direkt und auf östlicher Seite angrenzend das Vogelschutzgebiet „Mittlere Oderniederung“.

 

Vogelseuchegefahr: Es gibt seit längerem  wissenschaftliche Veröffentlichungen, die auf der Grundlage von Analysen des Verlaufes mehrerer Epidemien nahelegen, dass der hoch pathogene Erreger der sog. Vogelgrippe nicht nur durch Wildvögel, sondern durch die Ländergrenzen überschreitende,  globalisierte Geflügelmastindustrie verbreitet werden. Das SPA-Gebiet „Mittlere Oderniederung“, direkt angrenzend an das Gelände der geplanten Anlage, ist Rastplatz für zehntausende verschiedene Zugvögel, vor allem Wasservögel. So kann beim Ausbruch der Vogelgrippe in der Anlage der Erreger auf freilebende Vögel übertragen, und natürlich auch der Erreger in die Anlage eingeschleppt werden, wenn Zugvögel infiziert sind. Wie schnell das gehen kann, haben wir in den vergangenen Jahren in Alt-Tucheband und in Anlagen des Antragstellers in Neuhardenberg gesehen! Das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit), bezeichnet solche Standorte wie in Golzow für eine neue Massentier-Produktionsanlage in einer leicht handhabbaren Prüfsoftware im Internet als völlig ungeeignet.    

Fair-Mast: Eine besondere Rolle bei der Beeinflussung der Öffentlichkeit und auch der Behörden, die diesen Bezug sogar in den Genehmigungsbescheid für die Anlage in Sachsendorf aufgenommen haben, spielt der Verweis auf das „völlig neue, tierwohlgerechte“ Verfahren. Wie sieht es damit aus?

Das Verfahren (übrigens bereits vor 5 Jahren in der Kaufland-Werbung angepriesen)  ordnen auch die Labelpartner wie der Tierschutzbund eindeutig der konventionellen Mast zu. Es gibt etwas mehr Platz (10,5 Tiere 2,4 kg schwer auf einen m²) und einen „Kaltscharraum“ (hochtrabend Wintergarten), der mindestens zu 50 % der Mastzeit zugänglich sein soll.

Wer die Bilder in der MOZ gesehen hat, weiß, das sie nicht stimmen können, 10 Hühner pro m² heißt für jedes Tier ein etwas zu groß geratenes DIN A4-Blatt. Bilder lügen nicht?

Vielleicht ist das Verfahren ein Einstieg in den Ausstieg aus der als „konventionelle Mast“ umschriebenen Tierquälerei. Gedacht ist es offensichtlich für kleine und mittlere Betriebe, denen eine Brücke zur Verbesserung der Tierhaltung geebnet werden soll. Deshalb sind in den Richtlinien einige so genannte K.O.-Kriterien genannt (nachlesbar im Netz unter dem Label-Namen):

Eine maximale Anzahl der Tiere je Betrieb 60.000 (2x 30.000)

Besatzdichte                                          10 Tiere/m²     (plus Wintergarten)

Gewichtszunahme                                   max. 45 gr/Tag

Wer sich die Antragsunterlagen angesehen hat, merkt, dass hier was nicht stimmt. 72.350 Tiere stehen im Antrag (in Sachsendorf in der Genehmigung 73.000).

Die Fläche der Kaltscharräume muss zu 100% in die Stallgrundfläche gerechnet werden, sonst geht die Besatzdichterechnung nicht auf. Müssen die Kaltscharräume geschlossen werden, liegt der Besatz über 31kg/m² und die Vögel haben kein DIN A4-Blatt mehr!

Und in den Antragsunterlagen findet sich die Wachstumskurve der angeblich eingesetzten Tierzuchtlinie mit z. T. über 50 gr./Tag Gewichtszunahme.

Für alle Punkte, da kann man sicher sein, wird der Investor eine Ausrede haben oder eine Änderung nachzuschieben versuchen. Es ist auch zu befürchten, dass die Behörden ihm das durchgehen lassen werden. Ist ja schließlich kein Hartz IV-Antragsteller! Die Genehmigungsbehörden haben schon angedeutet, dass die Einhaltung der Fairmast-Bedingungen, mit der die Bevölkerung nicht erst seit der Grünen Messe propagandistisch unter Dauerfeuer genommen wird, sie nicht interessiert. 

Die Werbung „Keine Medikamente“, die uns auch bei der Anhörung noch vom Antragsteller entgegengebracht wurde, brach in sich zusammen, als wir fragten, was denn bei Erkrankung einzelner Hühner gemacht wird in einem 22.000er Stall? „Ja, selbstverständlich benötigt das kranke Huhn den Arzt“, hieß es. Und auf weitere Nachfrage wurde "selbstverständlich"  bestätigt, dass das einzelne Huhn nicht separat behandelt wird, sondern der gesamte Stall (ist ja auch logisch). Übrig blieb von „Keine Medikamente“ die Zusage, dass man sich an die in Deutschland seit 2006 geltenden Bestimmungen zum Verbot der anlasslosen Antibiotika-Gabe halten will. Meine Oma sagte immer, wer einmal lügt…

Verträge: Da ist es eigentlich nur noch am Rande von Interesse, dass alle Verträge, die vorgelegt werden, um die sichere Verwahrung/Entsorgung der Abfälle/des Mistes zu belegen, der Antragsteller mit sich selbst schließt. Der Eindruck entsteht, dass er im fremden Auftrag handelt und für Interessenten den Boden bereitet, die gewerbliche Mäster auch nach dem Gesetzesbuchstaben sind.


Unterm Strich

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Kennen Sie den schon:

". Die Entstehung hochpathogener Keime in den Ställen aufgrund der Intensivtierhaltung ist wissenschaftlich nicht begründet.....Gefahren für die menschliche Gesundheit gehen jedoch von Ammoniakemissionen aus Tierhaltungsanlagen regelmäßig nicht aus."

(Aus dem Genehmigungsbescheid der Anlage in Sachsendorf)