Unser Golzow

Informationsseite der Bürgerinitiative Golzow gegen Massentieranlagen

Aktuelle Hinweise, Antworten, Zuschriften usw.

Wir weisen darauf hin, daß der Inhalt der Wortmeldungen die Ansicht der Einsender wiedergibt, die mit der Meinung der Bürgerinitiative nicht unbedingt übereinstimmen muß.

(Aber kann ;-))


 

Medien-Nachlese

Antenne-Stammtisch - Warum gerade in Golzow?

Das erklärte der Moderator für den Sendebeitrag im RBB-Fernsehen gleich am Anfang: Golzow sei gegenwärtig „der Brennpunkt der Debatte über Tiermast“ in Brandenburg. Ich verstehe diese Formulierung durchaus als Verbeugung vor unserer Arbeit in den zurückliegenden 9 Monaten. Denn ohne unsere BI wären hier der Schwindel mit dem angeblichen „Tierwohl“, dem eben auch ein Tribut in Form von mehr Immissionen zu zahlen sei, ohne Widerspruch akzeptiert worden und die Genehmigungen längst erteilt. Diesen Rosstäuschereien ein weiteres Mal entgegenzutreten - deshalb hatten wir uns zur Teilnahme an der Diskussion bereit erklärt. Es ist uns – auch mit Hilfe der fairen Moderation -  gelungen, die geplante Diskussion „BIO oder billig?“ zu erweitern auf das größere Thema: Was ist geworden aus dem Volksbegehren gegen MASSENTIERHALTUNG? Die Antwort war zwar ernüchternd – Herr Kruschat vom BUND Brandenburg sprach in einem Nebensatz sogar vom Scheitern -  aber eins wurde klar: Mit der Fairmast-Kampagne zu „Mehr Tierwohl“ (= Fairmast = Sachsendorf und Golzow, nächstens Neutrebbin) wird von einer Lobby aus Agrarkonzernen und Politikern versucht, die öffentliche Kritik an der Entwicklung der Brandenburger Landwirtschaft hin zu noch größeren Betrieben, zu Agrarkonzernen und „Oldenburger Verhältnissen“ abzuwürgen. Klar wurde in der Diskussion auch, dass die Auseinandersetzungen nicht zu Ende sind, sondern gerade erst beginnen, unseres schönen Oderbruchs wegen und weil wir so unseren Beitrag zur Wende in der Umwelt- und Klimapolitik leisten können.

Im Vorfeld und auch im Nachgang der Sendung gab es eine Fülle von kurzen Sendungen im RBB, die unserem Anliegen eine Menge Öffentlichkeit bescherten. Das ist gut so! Die allermeisten sind nachzusehen bzw. –hören, z. B. unter www.antennebrandenburg.de und dort unter „Abendsendungen von Antenne Brandenburg nachhören“. Der „Stammtisch“ selbst unter https://www.antennebrandenburg.de/programm/abendsendungen/antenne-gespraech/2019/antenne-stammtisch--bio-oder-billig.html 


Kurz zur Berichterstattung der Märkischen Oderzeitung:

Beim Lesen des (online-)Beitrages hat man streckenweise das Gefühl, der Berichterstatter war  auf einer anderen Veranstaltung. Die Schlagzeile „Konsens bei mehr Tierwohl“ und der auf dieses Thema verkürzte Bericht zeigten überdeutlich, dass er entweder nicht zugehört oder den Hintergrund der Diskussion nicht verstanden hat - oder aber er die unkritische Linie der Seelower MOZ-Redaktion bei der bisherigen Berichterstattung über das Gebaren des Agrarkonzerns ODEGA im Oderbruch fortzuführen gedenkt.

Die MOZ veröffentlichte einen Bericht aus Sachsendorf über die dortige Massentieranlage der ODEGA Group. Ein Kommentar:


Sehr geehrter Herr Grieger,
vielen Dank für die neuesten Nachrichten aus der Sachsendorfer Stallanlage. Vor allem über das Bild, ich habe es verglichen mit denen, die Ihr Haus (und andere Medien) im vergangenen Jahr und noch im Januar (zur Grünen Woche) von dort veröffentlicht haben. Man traut seinen Augen nicht, der Stall ist auf einmal voll und gar nicht mehr so lichtdurchflutet, aber diese Hähnchen werden noch 24 Tage weiter wachsen und koten, bevor sie Brustfilet werden. Völlig zu recht und im Unterschied zu den bisherigen Berichten (und den Eigendarstellungen des Betreibers) titeln Sie "Massentierhaltung"! "Konventionelle Massentierhaltung" haben Sie sich vermutlich nicht getraut zu schreiben, aber wer Augen hat, sieht es selbst. Was sollen 22.000 Tiere in einem Stall bei dieser sichtbaren Besatzdichte auch anderes sein! So hat der Bericht andererseits auch nicht viel Neuwert: Keiner von uns hat doch angenommen, dass Herr Brauer oder Frau Hamann die Tiere persönlich drangsaliert, peinigt oder gar rupft (insofern ist Peep-Show zwar lustig gemeint, aber unpassend - ein Blick ins Wikipedia hilft), sieht man/frau von der tierwohlfeindlichen Haltung in diesen Massenställen mal ab. Aber genau darum ging es doch bei dem hundertausendfachen Protest gegen die Massentierhaltung in Berlin-Brandenburg 2016! Um sich über die Umweltschädlichkeit dieser Mega-Anlagen zu informieren, müssen Sie Forschungsarbeiten über Feinstaub, über Ammoniak-Kettenwirkung und die erheblich höheren Keimbelastungen zur Kenntnis nehmen und/oder veröffentlichen, auch die zu den resistenten Erregern und zu Ursachen von Vogelgrippe-Epidemien. Das alles ist nicht zu sehen in dem "Schaufenster" in Sachsendorf, das wir alle zwangsweise mit 600.000 Euro der ODEGA und PLUKON  Group "gesponsert" haben. Ob die Betreiber bereits dort nach wenigen Durchgängen Antibiotika eingesetzt haben oder nicht, weiss ich nicht und Sie auch nicht, Herr Brauer sagt nein und verweigert zugleich die Freigabe von Informationen nach dem Umweltinformationsgesetz. Machen Sie sich selbst einen Reim daraus. Fakt und zugleich das Problem aber ist, dass solche Massenmast-Anlagen auf Dauer nicht ohne vorsorgende Antibiotikagaben bei gesunden Tieren auskommen können, weil eine ansteckende Infektion - die nur eine Frage der Zeit ist - nicht nur auf die kranken Tiere bezogen zu behandeln ist. Im Schaufenster soll über die FaiMast-Kriterien informiert werden, schreiben Sie. Da müsste dann (lt. Tierschutzbund-Kriterien) zum Beispiel stehen: Bestandsobergrenze: maximal 60.000 Tiere (max. 2 x 30.000)! Oder: Langsam wachsende Zuchtlinien: maximal 45 g Tageszunahme! Das ist mit der im Antrag stehenden Rasse Hubbard 757 selbst laut der Wachstumskurve des Lieferanten gar nicht vorgesehen, die tägliche Zunahme liegt z. T. über 50gr. Oder: Platzangebot: maximale Besatzdichte von 25 kg/m²! Das kann nur eingehalten werden, wenn der so genannte Kaltscharrraum IMMER, bei jedem Wetter, auch bei strengem Frost, zur Verfügung stehen würde und Futter- und Tränkeinrichtungen hätte. Das könnte man fortsetzen. Die eingehaltenen Kriterien bei der Fairmast gingen "zum großen Teil weit über das geforderte Maß der Tierschutzbundkriterien hinaus", habe ich in den Werbeschriften gelesen. Wohl wahr! Warum sollten wir also die nicht ausgesprochene Einladung zu einem Besuch dort annehmen? Um Werbung zu konsumieren? Die hatten wir die letzten Jahre reichlich. Ach ja, der Herr Günther! Solche Herren Günther haben wir auch, die meinen, der ganze Stunk käme aus Berlin oder - je nach Lage - gehöre doch zum Dorf! Aber soweit sie nicht anderweitig am Megastall interessiert sind, kennen sie sich meistens "nicht aus", wollen aber auch nichts hinzu lernen. Für manche ist die Erde eben immer noch eine Scheibe. Meistens wohnen sie ein Stück weiter weg von den Ställen, wollen aber die sonst so geschmähten Berliner als zahlende Touristen oder gar als Neubürger gerne hierher locken. Dann ist nicht von den Massentieranlagen die Rede, ihren "werthaltigen" Abprodukten, den Stickstoffeinträgen und den Keimen, die doch "schon immer" zu dem Dorf gehörten, sondern von der intakten Natur. Damit das nicht zunehmend zur Lüge wird, darum ringen wir.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Peter Tiedke
Sprecher der BI Golzow